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WHAT's GOING ON - Ausstellungstipps für Mannheim und Berlin |
Mannheim: ZEPHYR - Raum für Fotografie: Ausstellung "Miroslav Tichý - Die Stadt der Frauen"
40 Jahre lang fotografierte Miroslav Tichý fast täglich die Frauen seiner tschechischen Heimatstadt. Auf diese Weise kamen in einigen Jahren, in denen er zum Teil über 100 Fotos am Tag machte, viele Frauenbildnisse zusammen. Ob jung, als, schmal gebaut oder korpulent, groß oder klein - Tichýs Grundsatz war, die Realität darzustellen, wie wir sie oft nicht beachten. Die Frauen auf seinen Bildern nehmen keine Posen ein, wissen oftmals nichts von den Aufnahmen, gehen alltäglichen Beschäftigungen nach und bewegen sich natürlich und nicht gestellt. Verschwommen, unscharf, von ihm selbst entwickelt und auf Papier geklebt, manchmal mit einem bunten aufgezeichneten Rahmen versehen, entsprechen seine Fotografien nicht dem Standard, den die Werbefotografie vorgibt. Genauso wenig passt Tichý, der 2011 im Alter von 85 Jahren starb, nicht in das Bild des gängigen Fotografen. In Lumpen gekleidet und mit selbst gebastelten Kameras ausgestattet lebte er nach seinem Kunststudium unter der strengen Beobachtung der Kommunisten erst gezwungenerweise in Armut und später freiwillig. Zephyr zeigt 140 Fotografien des asketischen Malers und Fotografen.
Die Ausstellung "Miroslav Tichý – Die Stadt der Frauen" ist vom 24. Februar bis zum 26. Mai im Zephyr – Raum für Fotografie in Mannheim zu sehen.
Weitere Informationen:
http://www.zephyr-mannheim.de
Berlin: Galerie Deschler - Resistance – Lies Maculan, Stefan Roloff, Deborah Sengl"
Politischer Widerstand gehört zur Gesellschaftlichen Entwicklung wie der MAchtwechsel. Er kennt viele Formen des Ausdrucks - ob nun unter Einsatz von Gewalt oder dem Predigen von Frieden. Manche Widerstände oder Revolutionen bedürfen einer einzelnen Person als Symbolträger, andere benötigen Menschenmassen, um etwas zu bewegen. Die Ausstellung "Resistance" in der Berliner Galerie Deschler beschäftigt sich mit der Formensprache, den Vermittlungsebenen sowie der Ikonisierung und Manipulation des politischen Widerstands. Lies Maculans Fotoarbeiten etwa zeigen Fälle von der Macht des Einzelnen und der Ohnmacht der Massen. Stefan Roloffs Videoinstallation indessen führt den Besucher in ein Zelt, das aus alten Stoffresten zusammengesetzt die Geschichte von Flüchtlingen erzählt. Und Deborah Sengls Diptychen zeigen Menschen mit Tierköpfen, die einander Gewalt zufügen oder als stiller Beobachter mit einer Kamera agieren. Zudem offenbart sie das allgegenwärtige Markenbewusstsein, das mit ökonomisch-psychologischer Machtausübung zu tun hat.
Die Ausstellung "Resistance – Lies Maculan, Stefan Roloff, Deborah Sengl" ist vom 23. Februar bis zum 13. April in der Galerie Deschler in Berlin zu sehen.
Weitere Informationen:
www.deschler-berlin.de
(Quelle ART Magazin: Gib' mir 5) |
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WHAT's GOING ON: YOKO ONO - Half a Wind-Show - eine gelungene Retrospektive in der Frankfurter Schirn |
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Geschrieben von: Dr. Nathalie Höcke-Groenewegen
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Yoko Ono ist eine Ausnahmekünstlerin. Schon lange bevor sie "die Beatles kaputt machte" - ein, ihr bis zum heutigen Tage nacheilender schlechter Ruf - war die im Jahr 1933 in Tokio geborene zierliche Künstlerin eine bedeutende Konzeptkünstlerin. Ihre kompromisslose Kunst ist bereits seit den 1960er Jahren bekannt und setzt sich zusammen aus Fluxus, Konzept- und Performancekunst. Viele Kunstwerke sind minimalistische Anweisungen oder philosophische Aussagen, die darauf abzielen, als Betrachter sich das Kunstwerk mit den eigenen Gedanken, Assoziationen und Intuitionen selbst und vor allem individuell zu vollenden. Man soll Luft oder Licht sammeln oder "so lange in die Sonne gucken, bis sie eckig wird" Ihre Kunst verlangt nach dem Utopischen, nach dem scheinbar schier Unmöglichen und fordet damit auf, Kunst zu spüren. Und wenn man sich auch blos dem poetischen Moment ihrer Anweisungen hingibt.
Die Radikalität ihrer Arbeit zeigte sich in ihrem, bereits 1964 aufgeführten Performance "Cut Piece", in welcher sie sich in ihrem besten Kleid bewegungslos auf die Bühne setzte und die Zuschauer dazu aufforderte, Stücke aus ihrer Kleidung herauszuschneiden. Sobald sie unbekleidet war, bedeckte sie ihre Brüste. Die Performance "Cut Piece« hatte das Thema des Entblößens zur Folge, das "eine Auflösung der Wechselwirkung zwischen Exhibitionismus und dem Verlangen nach Betrachtung, zwischen dem Opfer und dem Angreifer, zwischen dem Sadisten und dem Masochisten"* mit sich brachte.
Onos Kunst bildet eine Symbiose von zerstörerischen Momenten und zwischenmenschlichen, auch intimen menschlichen Beziehungen und wirkt damit zwar radikal, jedoch nie zu provokant, als das man sich nicht damit auseinandersetzen möchte. Die Ästhetik des Nachdenklichen, des Philosophischen und auch den Politischen bleibt stets im Vordergrund.
Zweifellos hat sie wie kaum eine andere Künstlerin, die Kunst der Gegenwart maßgeblich beeinflusst, wie sich am Beispiel Marina Abramovics zeigt, die sich deutlich an Ono orientiert, alles Körperliche ins Extreme steigert. Onos Kunst hingegen bleibt zurückhaltend und ist doch bis heute radikal und mit einer nachhaltigen Wirkung.
Zu ihrem achtzigsten Geburtstag erhält sie nun endlich den Ruhm, den sie als Künstlerin verdient. Die Retrospektive in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, die am vergangenen Donnerstag unter großem Publikumsandrang eröffnet wurde, zeigt rund 100 Objekte, Filme, Installationen, Fotos, Zeichnungen und Textarbeiten. Neben neuen Stücken wie "Moving Mountains", bei dem Menschen in unterschiedlich großen Kleidersäcken bewegliche Skulpturen formen, werden vor allem Werke aus den sechziger und siebziger Jahren präsentiert. Etwa "Sky TV", ein Bildschirm, der Liveprojektionen des Himmels zeigt, oder "Air Dispenser", eine Art Kaugummiautomat voller Luftkapseln, die die Besucher für 50 Cent erwerben können. Auch die Performance "Sky Piece to Jesus Christ", bei der die Mitglieder eines Orchesters während des Spielens von der Künstlerin mit Mullbinden umwickelt werden, wird in Frankfurt erneut aufgeführt. In einem separat abgetrennten Bereich kann der Besucher zudem in bequemen Lounge-Sesseln Onos musikalisches Werk hören und sehen. (Quellen dpa, art magazin, *Zitat von Kristine Stiles, »Uncorrupted Joy: International Art Actions« , in: Out of Actions: between performance and the object, 1949–1979)
Die Ausstellung geht bis zum 12. Mai 2013
Weitere Informationen zu Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive siehe: www.schirn.de
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WHAT's GOING ON - Kunsttipp für Wien |
Jugend und Kunst. Wiener Künstlerhaus präsentiert Megacool 4.0.
Bunt abfotografierte Punks in den Komplementärfarben Rot und Grün auf einem Dach vor strahlend blauem Himmel, zu HipHop tanzende schwarze Mädchen aus Atlanta auf einer Schwarz-Weiß-Fotografie oder die Zeichnung zweier ganz normaler Mädchen, die gerade, so der Titel des Werks, "50 Jägermeister in 15 Minuten" getrunken haben. All das ist die Jugend von heute, die im k/haus Wien derzeit durch Fotografien, interaktive Installationen, Videoarbeiten, Malereien, Street-Art und Skulpturen thematisiert wird. Die Ausstellung konfrontiert uns mit Bildern wie aus dem täglichen Leben. Dabei sind die "Jugend-Typen" mal mehr und mal weniger inszeniert: Den "Keven" aus Moabit, der zum Zeichen seiner Milieuzugehörigkeit ein Moabit-T-Shirt trägt, gibt es tatsächlich. Bei den Madonna-, Oasis-, oder Sex-Pistols-Reihen nahmen Jugendliche dagegen die Rolle des jeweiligen Popstars ein. Der Grad des Dokumentarischen schwankt also von Künstler zu Künstler. Doch willkürlich sind die dargestellten Typen nicht. Sie beruhen auf jahrelangen Forschungen zur jugendkulturellen Szene, welche die Kuratorin der Ausstellung, Birgit Richert, an der Frankfurter Universität vornahm. Zum Beispiel startete sie eine Umfrage für Jugendliche zum Thema "Was bin ich?" Die Werke stammen von rund 70 zeitgenössischen Künstlern und Künstlergruppen aus ganz Europa, China und den USA. Mit dabei sind etwa Erwin Olaf, der Vermeer-Preisträger 2011 und die bekannte Porträtistin Rinneke Dijkstra.
Die Ausstellung im Künstlerhaus Wien vom 15. Juni bis zum 7. Oktober 2012 zu sehen
Weitere Informationen:
www.k-haus.at
(Quelle art magazin: Gib' mir 5)
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WHAT'S GOING ON - Ausstellungstipp für Frankfurt. Barbara von Stechow zeigt Simon Raab |
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Galerie Barbara von Stechow: Simon Raab - Dichtung un Wahrheit.
Raab wurde 1952 in Toulouse, Frankreich geboren. Heute lebt und arbeitet er in Santa Barbara, USA. Seine Gemälde sind faszinierend - bunt, schrill und vielleicht teilweise ein wenig zu kitschig. Raab ist deutlich inspiriert vom der Kunst der amerikanischen Pop-Art Richtung. Er erreicht in der Überschichtung der Bildmotive, der Überlagerung der Oberflächenschichten eine Bildtiefe, die teilweise Dreidimensional wirkt. Seine Vorbilder für die Bildmotive sind aber meist aus der früheren Kunstgeschichte, beispielsweise wenn er Van Gogh, Monet, Caravaggio, Leonardo oder Michelangelo zitiert. Durch seine besondere Technik, die er selbst als „Parleau“, bezeichnet, gibt er bekannten Motiven einen ganz neuen Ausdruck. Die Oberfläche wirkt wie durch Wasser“ betrachtet unregelmäßig gebrochen. Raab arbeitet mit Stahl- und Aluminiumblechen, die er mit Acryl- Polymerfarben und verschiedenen Lackschichten bemalt, knickt und zerbeult, so dass großflächige Reliefs entstehen, deren Farben je nach Lichteinfall variieren. Das Wechselspiel von realistischen und abstrakten Bildelementen machen seine Werke so interessant. Inhaltlich verweisen seine Bilder auf das Unvermögen des Menschen, die sichtbare Realität in all ihren Facetten zu erfassen und zu definieren. Die Kunst hingegen besitzt das Talent die verschiedenen Facetten und verschiedenen Wahrheiten der Realität zu erfassen, zu dechiffrieren und dem Betrachter zu übermitteln. Die Ausstellung geht vom 21. Juni bis zum 8. August 2012.
Weitere Informationen:www.galerie-von-stechow.com |
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Image-Wechsel –Damian Hirsts Retrospektive in der Londoner Tate |
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Geschrieben von: Nathalie Höcke-Groenewegen
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Damian Hirst gehört zu den Provokateuren der Kunstszene. Spätestens seit seiner fulminanten Versteigerungsaktion im Jahre 2008 (unmittelbar vor der Finanzkrise) ist er zu einem Start des Establishments geworden - wenngleich auch immer mit dem Beigeschmack der, für einen Künstler oft negativ bewerteten Hang zur Selbstvermarktung. Doch sind jedes Mal wieder VIPs der Kunst- und Filmwelt zugegen, wenn sein Werk zum Verkauf ruft. Galeristen und Sammler fühlen sich angelockt von der Geldanlage Kunst. Seine Devise "Kunst ist die beste Währung" geht auf.
Und sein Erfolg gibt ihm Recht. Auch wenn man an diese Stelle vorsichtig erwähnen muss, dass zu viel Selbstvermarktung auch schaden könnte. Warum bedarf es beispielsweise T-Shirts oder Regenschirme mit Abbildern von Kunstwerken. Auch die mit seinen Schmetterlingsmotiven verzierten Porzellantellern lassen eine Reminiszenz an kitschige Museumsshopartikel aufkommen. Aber – solange es seiner Kunst keinen Abbruch tut und so lange der Wert des einzelnen Kunstwerks nicht darunter leidet......
Einer, der vor dem Zusammenbruch des Hirst-Hypes warnt ist der Kunstkritiker Julian Spardling, selbst früher Museumsdirektor in Manchester und Glasgow und Autor mehrerer kontroverser Bücher zum zeitgenössischen Kunstmarkt. In seiner jüngsten Veröffentlichung „Con Art“ entlarvt er, wie er selbst behauptet, die betrügerische Konzeptkunst. Sie befinde sich, seiner Ansicht nach, auf einem absteigenden Ast und er empfiehlt allen Besitzern von Hirst-Werken, diese schnellstens zu liquidieren, ehe der Markt zusammenbreche. Um sich weiterer Kritikattacken seitens Spardling zu erwehren, bekam dieser von Hirst einfach keine Einladung zur Ausstellungseröffnung. Schon am Pressetag, wo Spardling in der Ausstellung selbst in Fernsehinterviews über Hirst herziehen wollte, war ihm der Zugang verwehrt worden. "Aufgabe der Tate ist es, die Kunstdebatte zu fördern", schimpfte er vor den Toren des Museums, "dass ich vor den Werken nicht über sie sprechen darf, ist verwerflich."
Bei Hirsts Vernisssage war die Bar auf der die ehemalige Turbinenhalle überspannenden Brücke aufgebaut. Die Ausstellung selbst war im 4. Stock. Die riesige Schau, mit der die Tate, wie Direktor Sir Nicholas Serota sagt, "einen der größten lebenden Künstler" ehrt, war so voll wie die Brücke, auf der es etwas zu trinken gab. Selbst vor dem Schlangestehen scheuten sich die Gäste nicht. Insbesondere um in den Raum mit fröhlich herumflatternden Schmetterlingen zu gelangen, musste man große Geduld haben.
Es gab wenig negative Bewertungen. Lediglich der aus der Vitrine "A Thousand Years" (1990) dringende üble Geruch eckte bei den Gästen an. In der Vitrine tummeln sich Schmeissfliegen, die sich an einem gehäuteten Kuhschädel nährten, um dann von einem elektrischen Fliegentöter exekutiert zu werden. Morbide Kunst – die Thematisierung der Vanitas – ein roter Faden in Hirsts Kunst. Scheinbar haben Schmeissfliegen keine Lobbyisten unter den Tierschützern.....Auch die in einen gigantischen Aschenbecher geworfenen stinkenden Zigarettenkippen – "Crematorium" (1996) – ernteten Naserümpfen bei den Gästen. Doch mehr zu beanstanden gab es nicht. Ganz im Gegenteil. Plastiker Antony Gormley, wie Hirst selbst eines der Zugpferde von Jay Joplings Galerie White Cube, brachte es auf den Punkt: "Für Damien eine erstaunlich elegante und zurückhaltende Schau". Leider fanden nicht viele den Eingang zu der schwarzen Box in der Turbinenhalle, in der der Meister unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen sein Meisterwerk zur Schau stellt: "For the Love of God" (2007), den mit 8 601 Diamanten besetzten Totenkopf, ausstellte, der angeblich immer noch für 50 Millionen Pfund zum Verkauf steht. Ob dieser endlich einen Käufer findet bleibt spannend.
Geld ausgeben geht bei Hirsts Schau auch leichter, denn als ein weiterer Anziehungspunkt der illustren Gäste erwies sich der Shop, in welchen Hirst das „Multiple“ in der Kunst neu definiert. Hier kann man immerhin einen signierten und auf 50 Exemplare limitierten bemalten Totenkopf für 38 000 Pfund käuflich erwerden. Neben den üblichen Postkarten und T-Shirts gibt es auch mit Hirsts Spots geschmückte Regenschirme, Skateboards und Liegestühle zu kaufen. Reissenden Absatz fanden neben dem Katalog auch mit Schmetterlingsmotiven verzierte Porzellanteller. Eine limitierte Ausgabe von 12 Tellern kostet immerhin mehr als 10 000 Pfund. Geldverdienen ist für Hirst scheinbar kein Schimpfwort. Immerhin legt er Wert auf die Feststellung, dass "Kunst die beste Währung" ist.
Ausstellung
Tate Modern: vom 4. April bis 9. September 2012
Weitere Informationen unter:
http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-modern/exhibition/damien-hirst
(Quellen dpa; art magazin H.Pietsch/London; Tate Gallery/ London) |
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